Uhu eARA elektronisches Allschlaraffisches Reychs-Archiv
Eine Einführung

Was ist Schlaraffia?

Schlaraffia kann man nicht erklären — man muss sie erleben.

Ein Spiel für kluge Köpfe

Schlaraffia ist kein Verein im klassischen Sinne, sondern eine über 160 Jahre gepflegte, weltweit verbreitete Freundschaftsgemeinschaft, die sich dem Spiel mit Kunst, Sprache und Humor verschrieben hat. In einer eigens gehüteten, stilisiert-mittelalterlichen Welt legen Schlaraffen den Alltag vor der Tür ab und betreten für ein paar Stunden ein Reych des Geistes, der Freundschaft und der Lebensfreude.

Die drei Säulen, auf denen Schlaraffia ruht, sind uralt und doch immer wieder neu zu entdecken:

🎭 Kunst

Vorträge, Verse, Gesang, Musik, satirische Reden — jeder Abend ist eine gemeinsame Bühne.

🤝 Freundschaft

Ehrliche, herzliche Verbundenheit jenseits von Stand, Beruf und politischer Ausrichtung.

😊 Humor

Mit Niveau und ohne Schärfe — das Lachen gehört zum schlaraffischen Grundton.

Wie Schlaraffia entstand

Gegründet wurde Schlaraffia am 10. Oktober 1859 in Prag von einer Gruppe Künstler, Theaterleute und Intellektueller, die, so die Überlieferung, „für einige Stunden die Schwere der Zeit ablegen“ wollten. Aus diesem Impuls entwickelte sich eine der ältesten Freundschaftsverbindungen der Welt — ganz ohne Standesdünkel, ganz ohne politische Färbung, getragen allein von Humor, Kunst und freundschaftlicher Zuneigung.

Die Idee verbreitete sich rasch im deutschsprachigen Raum: Wien, Berlin, Hamburg, München und viele weitere Städte gründeten eigene Reyche. Mit der Auswanderungs­bewegung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wanderte Schlaraffia nach Nordamerika und Südamerika — nach New York, Buenos Aires, São Paulo — und ist heute in über 200 Reychen auf fünf Kontinenten zu Hause. Alle verbunden durch die deutsche Sprache und das schlaraffische Ritual.

Kriege, Diktaturen und politische Umwälzungen haben Schlaraffia mehrfach in Bedrängnis gebracht — 1937 wurde sie im Dritten Reich verboten —, doch der weltweite Zusammenschluss in der Allschlaraffia sorgte dafür, dass das Spiel niemals ganz endete. Seit den Nachkriegsjahren erblüht Schlaraffia wieder in alter Lebendigkeit, und auch in den 2020er-Jahren werden verloren gegangene Reyche neu begründet.

Die Begriffe, die Schlaraffen teilen

Wer Schlaraffia verstehen möchte, begegnet rasch einer eigenen Sprache — dem Schlaraffenlatein. Die wichtigsten Begriffe auf einen Blick:

Reych
Das „Königreich“ eines Ortes, sprich die lokale Gemeinschaft. Jedes Reych trägt eine Nummer und einen Namen.
Sippung
Die wöchentliche Zusammenkunft eines Reyches — Ort des Spiels, der Kunst und der Freundschaft.
Burg
Der Versammlungsort des Reyches, in dem die Sippungen abgehalten werden.
Pilger
Ein Gast, der ein Reych zum ersten Mal besucht — stets willkommen.
Prüfling
Wer das Spiel kennenlernt und den Weg in die Gemeinschaft sucht.
Knappe
Der zweite Grad im Ritual — das Reych hat ihn aufgenommen.
Junker
Der Knappe hat sich bewährt und ist Junker geworden — kurz vor dem Ritterschlag.
Ritter
Der Ritterschlag ist der feierlichste Moment — der Schlaraffe erhält seinen Spielnamen und sein Wappen.
Uhu
Das weise Wappentier der Schlaraffen — Symbol für Nachtstunden und geistige Wachheit.
Lulu
Der schlaraffische Zuruf — Beifall, Jubel und liebevoller Gruß zugleich.
In Arte Voluptas
Der Wahlspruch: „In der Kunst liegt die Freude.“

Der Schlaraffe ist ein Mensch, der nach des Tages Mühen und Lasten hier zusammenkommt, um im Spiel der Kunst und Freundschaft für ein paar Stunden das innere Kind zu wecken.

Das Spiel im Ritual

Die Sippungen folgen einem feinsinnigen, liebevoll gepflegten Zeremoniell. Zu Beginn wird das Reych eröffnet, es folgen „Fechsungen“ — die künstlerischen Beiträge der Ritter: Gedichte, Reden, Lieder, musikalische Stücke, humorvolle Vorträge, Bildergeschichten. Jeder bringt ein, was er mag und kann. Gelungenes wird mit einem herzhaften Lulu gefeiert.

Zwischen den Reychen pflegen Schlaraffen seit jeher Besuche und Austausche. Einen schlaraffischen „Ausritt“ unternimmt, wer Gast in einem anderen Reych ist; viele Ritter tragen Orden, die von befreundeten Reychen verliehen wurden und die eine Geschichte gemeinsamer Sippungsabende erzählen.

Offen für Pilger

Wer neugierig geworden ist, kann als Pilger jederzeit eine Sippung besuchen. Schlaraffia ist herzlich, unkompliziert und — mit Absicht — ein Stück weit aus der Welt gefallen. Wer sich darauf einlässt, entdeckt eine Gemeinschaft, die man selten außerhalb ihrer selbst findet.

Mehr über die schlaraffische Welt entdecken

Das eARA bewahrt das Schrifttum, das Lexikon erklärt die Begriffe, die Reyche-Übersicht zeigt die weltweite Verbreitung.

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